Rolle von Lokalanästhetika bei Ejaculatio praecox

BJU Int. 2012 Dec;110(11 Pt C):E943-8. doi: 10.1111/j.1464-410X.2012.11323.x. Epub 2012 Jul 3.

Rolle von Lokalanästhetika bei Ejaculatio praecox

The role of local anaesthetics in premature ejaculation

Wyllie MG, Powell JA.

ZUSAMMENFASSUNG:

Mittlerweile herrscht Konsens darüber, dass sowohl biologische als auch psychische Faktoren wichtige Ursachen der Ejaculatio praecox darstellen. Von besonderem Interesse ist die Korrelation zwischen Ejakulationslatenz und sensorischen Schwellenwerten des Penis. Männer mit frühzeitigem Samenerguss scheinen ein gesteigertes sensorisches Ansprechverhalten bei der Penisstimulation aufzuweisen und zeigen auch allgemein andere ungewöhnliche Reflexbahnen während des Ejakulationsvorgangs, was einen Zusammenhang zwischen der Überempfindlichkeit des Penis und frühzeitigem Samenerguss vermuten lässt. Bei Berücksichtigung dieser sensorischen Unterschiede könnten Arzneimittel, die selektiv ein gewisses Ausmaß an Desensibilisierung des Penis hervorrufen oder auf den afferenten/efferenten Reflex einwirken, die Ejakulationslatenz verzögern, ohne das Empfinden der Ejakulation nachteilig zu beeinflussen. Diese Übersicht bewertet veröffentlichte Daten aus klinischen Studien, in denen Lokalanästhetika im Rahmen der Off-Label-Anwendung bei Ejaculatio praecox angewendet wurden, sowie neuartige topische Substanzen, die sich in Entwicklung befinden. Präsentiert werden neue Analysen der Phase‑III-Daten zur Anwendung eines topischen eutektischen Gemisches bei Ejaculatio praecox (TEMPE, auch bekannt als PSD502, Plethora Solutions Plc., London), einer proprietären Formulierung aus Lidocain und Prilocain in einem Aerosol-Abgabesystem zur Abgabe einer abgemessenen Dosis.

ZIELSETZUNGEN:

Übersicht zu veröffentlichten Daten aus klinischen Studien, in denen Lokalanästhetika im Rahmen der Off-Label-Anwendung bei frühzeitiger Ejakulation angewendet wurden, sowie zu neuartigen topischen Substanzen, die sich in Entwicklung befinden. • Evaluierung der Sicherheit und Wirksamkeit eines topischen eutektischen Gemisches bei Ejaculatio praecox (TEMPE) bei betroffenen Patienten und deren Sexualpartnerinnen unter Verwendung aller verfügbaren Phase‑III-Daten.

ERGEBNISSE:

Topische Behandlungen können bei Bedarf angewendet werden, wobei systemische Nebenwirkungen unwahrscheinlich sind. Allerdings weisen bestehende topische Off-Label-Behandlungen der Ejaculatio praecox mehrere Nachteile auf: Sie können unhygienisch sein, die Spontanität beeinträchtigen und ein Taubheitsgefühl beim Mann oder seiner Partnerin verursachen. • Mehrere neuartige topische Substanzen zur Behandlung der Ejaculatio praecox sind derzeit in Entwicklung. TEMPE scheint als Einzige in Kürze zugelassen zu werden. • TEMPE führte, wenn 5 min vor dem Geschlechtsverkehr (539 Probanden) angewendet, während der Behandlung im Rahmen einer 3‑monatigen doppelblinden Studie im Vergleich zum Ausgangswert von 0,58 min zu einem Anstieg der geometrischen mittleren intravaginalen Ejakulationszeit (IELT) auf 3,17 min, was einer Verzögerung der Ejakulation um das 3,3-Fache im Vergleich zu Placebo entspricht (p < 0,001). • Die IELT stieg bei kontinuierlicher Anwendung von TEMPE während der doppelblinden und unverblindeten Phasen weiter an. • Die Behandlung mit TEMPE führte auch zu deutlichen Verbesserungen der gemessenen subjektiven Kennzahlen, z. B. Ejakulationskontrolle, sexuelle Zufriedenheit und Leidensdruck, zu wenigen oder keinen Hinweisen auf systemische Nebenwirkungen und einer minimalen Desensibilisierung der Genitalien der Probanden oder ihrer Sexualpartnerinnen.

SCHLUSSFOLGERUNGEN:

Die Anwendung einer topischen Substanz kann aufgrund des vorteilhaften Risiko-Nutzen-Verhältnisses dieser Produkte eine akzeptable Erstlinien-Option bei frühzeitigem Samenerguss darstellen. Mit TEMPE kann die Ejaculatio praecox aufgrund der topischen Anwendung der Sprühlösung eventuell sicher, wirksam und bei Bedarf behandelt werden.