Definition

Beim vorzeitigen Samenerguss kommt der Mann während des Geschlechtsverkehrs schon nach 1-3 Minuten zum Höhepunkt, verbunden mit einer unbeabsichtigt frühen Ejakulation.

Diese Störung kann bereits beim ersten Geschlechtsverkehr (primäre oder lebenslange vorzeitige Ejakulation) oder erst später im Leben auftreten (sekundäre oder erworbene vorzeitige Ejakulation).

Die Internationale Gesellschaft für Sexualmedizin („International Society for Sexual Medicine“, ISSM) definiert den vorzeitigen Samenerguss als Krankheitsbild wissenschaftlich präziser mit drei wesentlichen Kennzeichen:1

  1. Bei einer primären vorzeitigen Ejakulation erfolgt der Samenerguss vor oder innerhalb von etwa 1 Minute nach Eindringen in die Vagina; bei einer sekundären frühzeitigen Ejakulation vor oder innerhalb von 3 Minuten nach Eindringen.
  2. Es ist dem Mann nicht möglich, die Ejakulation bei jedem oder fast jedem Geschlechtsverkehr zu verzögern.
  3. Leidensdruck durch negative persönliche Folgen, wie etwa Unbehagen, Frustration und/oder Verzicht auf sexuelle Intimität.

Aus dieser Definition lassen sich drei Problembereiche ableiten:2

  • es kommt zum Samenerguss, bevor das Paar dies wünscht;

  • der Zeitpunkt des Samenergusses unterliegt nicht der eigenen Kontrolle;
  • Selbstbewusstsein und Beziehung leiden unter dem durch die Störung bedingten Unbehagen.

Beim Samenerguss unterscheidet man zwei Phasen:

  1. Emission: Die inneren Geschlechtsorgane des Mannes ziehen sich zusammen, Sperma bewegt sich in Richtung Penis und Prostata und Bläschendrüsen geben Sekrete ab.
  2. Expulsion: Nach Verschluss des Blasenhalses ist der Samenerguss nicht mehr aufzuhalten. Der Orgasmus tritt zu gleichen Zeit wie die Ejakulation ein (Empfindung erzeugt im Gehirn).3

Männliche Reproduktionsorgane: Hoden (Produktion von Sperma und Sexualhormonen), Samenleiter (führen von den Hoden durch die Nebenhoden und Spritzkanäle und münden in die Harnröhre), in die Samenleiter mündende Drüsen (Bläschendrüsen, Prostata, Cowper-Drüsen). Die Prostata (eine kastanienförmige Drüse, deren Basis zur Harnblase weist) spielt beim Samenerguss eine zentrale Rolle: Sie umschließt einen Teil der Harnröhre (Pars prostatica urethrae), in den sie während der Ejakulation durch 15‑30 Ausführungsgänge ihr Sekret absondert. Spritzkanäle laufen ebenfalls durch die Prostata hindurch.

Der sexuelle Reaktionszyklus umfasst: Verlangen, Erregungsphase, Plateauphase (hohe und stabile Erregung), Orgasmusphase und Erholungsphase. Diese Phasen laufen nacheinander ab und sind durch miteinander einhergehende psychische und körperliche Veränderungen gekennzeichnet.4

Die normale sexuelle Reaktion eines Mannes ist ein mehrstufiger Prozess, der mit der sexuellen Stimulation beginnt und mit der Ejakulation endet. Bei vorzeitigem Samenerguss laufen alle Phasen wesentlich schneller ab.

Neben der Unterscheidung zwischen primärem (schon beim ersten Geschlechtsverkehr) und sekundärem (später auftretend) vorzeitigem Samenerguss kann eine weitere Unterteilung der Störung auch auf Grund anderer Faktoren vorgenommen werden:2

  • Zeitpunkt der Ejakulation: vor Eindringen oder während des Geschlechtsverkehrs (Penetration);
  • Art: absolut (unabhängig von Partner und Umständen) oder relativ (bei einem bestimmten Partner oder bestimmten Umständen);
  • Begleiterkrankungen: einfach (keine anderen sexuellen Funktionsstörungen) oder kompliziert (mit anderen sexuellen Funktionsstörungen).

1. Serefoglu EC, McMahon CG, Waldinger MD, et al. An evidence-based unified definition of lifelong and acquired premature ejaculation: report of the second international society for sexual medicine ad hoc committee for the definition of premature ejaculation. Sex Med 2014;2(2):41-59.

2. Mathers MJ, Schmitges J, Klotz T, Sommer F. Einführung in die Diagnostik und Therapie der Ejaculatio praecox. Dtsch Arztebl 2007;104(50):A 3475-3480.

3. Porst H. Schon wieder zu früh? – Verhaltenstherapie oder Medikamente helfen bei Ejaculatio praecox. CME 2010;7(11):63-71.

4. Sommer F, Schmitges J. Störungen der Ejakulation. Blickpunkt Mann 2007;5(4);21-27.